Abschied von Franz Schäfer

Johannes Stockmeier löst Franz Schäfer als Vorstandsvorsitzender der Ökumenischen Diakoniestation Pfinztal ab

"Pflege wird immer mehr zum Verwaltungsakt"

Franz Schäfer war von Anfang an dabei: bei der Gründung der Ökumenischen Diakoniestation Pfinztal, beim Ausbau der Einrichtung, die 1977 mit sechs ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen begann. Nicht selten waren sie damals auf Mopeds unterwegs. Daraus ist längst ein mittelständischer Betrieb mit rund 150 Mitarbeitern geworden. Keine Frage, wenn es um die Diakoniestation Pfinztal geht, ist Franz Schäfer eine Institution – einer, der die Entwicklung der Diakoniestation maßgeblich mitprägte. Und das, wie er im Gespräch mit den Badischen Neuesten Nachrichten nicht ganz ohne Stolz kundtut, immer ehrenamtlich und ohne Entschädigung.

Seine Motivation, so lange am Ball zu bleiben, fasst er in einem Satz zusammen: „Ich wollte mich fürs Allgemeinwohl einbringen.“ Und das nimmt man dem 85-Jährigen unbenommen ab. Seine Nachfolge tritt Johannes Stockmeier an. Wie Schäfer, der lange Jahre als Geschäftsführer eine Ersatzkrankenkasse leitete und weiß, wie Kostenträger denken, bringt Stockmeier viel Erfahrung mit.

Er war Pfarrer, Oberkirchenrat und Präsident des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche Deutschland. Der 73-Jährige ist Vorsitzender des neuen Aufsichtsrats der Diakoniestation. Bildeten bislang Geschäftsführung und Aufsichtsrat, dessen Vorsitzender Schäfer von 2003 an war, eine große Schnittmenge, ändert sich dies durch eine interne Strukturreform. Für das operative Geschäft ist nun allein die Geschäftsführung, vertreten durch Tobias Stein, verantwortlich.

Der Aufsichtsrat nimmt laut Stockmeier eine beratende Funktion ein und hat ein Mitspracherecht bei (größeren) Investitionen. Insbesondere die Erweiterungen der Arbeitsfelder und die damit verbundene Verantwortung ließen sich über ehrenamtliche Tätigkeiten nicht mehr bewerkstelligen, lautet die Begründung für die Verwaltungszäsur. „Es wurde immer mehr, vor allem die Anforderungen, Regelungen und Vorgaben von außen“, verdeutlicht Schäfer. Deswegen, aber auch wegen seine Alters, sei ihm die Entscheidung aufzuhören, nicht so schwergefallen. Abgesehen davon stehe er, wenn gewünscht, der Diakoniestation mit Rat und Tat zur Seite.

Wichtig sei es nun, sich für die Zukunft gut aufzustellen, so Stockmeier. Kein einfaches Unterfangen. Zumal die Probleme um Alter, Pflege und Betreuung mehr und mehr zu einem Verwaltungsakt geworden sind, bei dem die Politik und die Kostenträger nicht unbedingt ein rühmliches Bild abgeben. „Es fehlen Gelder. Diskussionen um Verbesserungen gleichen oftmals einem Slalomlauf“, meint Stein. Obendrein werde fast schon Jahr um Jahr das Abrechnungssystem komplizierter.

„Entsprechende Anträge auszufüllen, kommt inzwischen einer Doktorarbeit gleich“, betätigt Franz Schäfer. Allein durch den zeitlichen Aufwand, Dokumentationen über bald jeden (Pflege-) Handgriff zu erstellen, gehe viel Zeit für und am Menschen verloren. „Am Ende wird da viel Geld verbrannt. Auch weil den Kostenträgern häufig das Vertrauen in die einzelnen Einrichtungen fehlt“, so Stein.

Dabei sollte der Mensch im Mittelpunkt stehen, betont Schäfer. Das sei immer seine Maxime gewesen, gepaart mit eine gehörigen Portion Beharrlichkeit: „Einfach nicht nachlassen.“ Die Ergebnisse, die Angebotsvielfalt der Diakoniestation, an der viele Menschen mitwirkten und mitwirken, können sich jedenfalls sehen lassen: Hauswirtschaft, Demenzbetreuung, Tagespflege, Kurzzeitpflege, betreutes Wohnen, Hospizarbeit und das Stammhaus Frommel, ein Vorzeigeobjekt für die Region.

 

Bericht Klaus Müller / BNN vom 5. Oktober 2021

BNN Bericht: Franz Schäfer Diakoniestation Pfinztal (PDF)

 

 
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